Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Institut für Anatomie
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Geschichte

 Entstehungsgeschichte des Institutes

Am 1.9.1960 wurde das Magdeburger Anatomische Institut gegründet. Damit erhielt die zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre bestehende Medizinischen Akademie Magdeburg den Status einer "Vollakademie". Das führte zu einer wesentlichen Entlastung der medizinischen Bereiche der Universitäten Rostock, Berlin und Halle, die die vorklinische Ausbildung der in Magdeburg immatrikulierten Medizinstudenten übernommen hatten.
Als Heimstätte erhielt die neue Anatomie zunächst einige Räume des unter Gustav RICKER (1870-1948) errichteten Pathologischen Institutes der ehemaligen Sudenburger Krankenanstalten.

Erster Lehrbeauftragter war Rolf BERTOLINI aus Leipzig, der einmal pro Woche mit seinen Assistenten J. FRöHLICH und W. KIRCHNER samt Modellen und Lehrtafeln nach Magdeburg kam. Vor etwa 120 Studenten wurden im ersten Jahr nur Vorlesungen abgehalten.

Zum 1.9.1961 wurde Martin MEYER nach Magdeburg berufen. Unter seiner Leitung erfolgte der weitere Ausbau des Institutes, der mit der Renovierung des Hörsaales, dem Ausbau eines Präpariersaales und der Fertigstellung eines großen Seminarraumes Anfang 1962 wesentliche Voraussetzungen für eine effektive Lehre schuf.

Altes Institut für Anatomie





Erstes Anatomisches Institut
in Haus 13,
jetzt Institut für Physiologie

Nach dem plötzlichen Tod von M. MEYER wurde am 1.9.1977 Alfred DORN, ein Schüler von Gert-Horst SCHUHMACHER, zum Institutsdirektor berufen. In den Jahren 1979-1985 stand auch das Biologische Institut unter dem Direktorat von A.DORN. In dieser Zeit wurde die Präparatorenwerkstatt der Abteilung Makroskopische Anatomie angegliedert.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Anatomischen Institutes war 1984 der Umzug in ein neues Gebäude. Hier entstanden im Kellergeschoß ein moderner Präpariersaal mit Präparatorenwerkstatt, im Erdgeschoß ein Mikroskopiersaal, die Bibliothek und mehrere Forschungslaboratorien.

Haus 43





Haus 43,
seit 1984
Anatomisches Institut

Nach dem Tod von A. DORN im Jahre 1987 leitete Joachim FRÖHLICH das Institut.
Im Jahr 1988 wurde Dietmar WENDLER aus Berlin zum Institutsdirektor berufen. Sein Hauptforschungsgebieg war die Embryologie.

Neben der Lehre war die Forschung stets ein wichtiger Faktor in der Arbeit des Institutes. Schwerpunkte waren dabei in zeitlicher Folge:

Fragen des Wachstums der Körperoberfläche, der nervösen Hautversorgung, der Bedeutung der intrazellulären Fibrillenstruktur und von Mitoserhythmen -untersucht an einheimischen und exotischen Reptilien.

Fragen der Bedeutung gastro-enteropankreatischer Peptidhormone im Gehirn. Diese Arbeiten liefen in breiter, auch internationaler Kooperation, besonders mit finnischen Einrichtungen.

Forschungsarbeiten über neuronale Strukturen im sensomotorischen und limbischen Kortex durch H. SCHIERHORN und J. FRÖHLICH seit 1970 waren erste Ansätze zu aktuellen Forschungsschwerpunkten des Institutes und eingebunden in die Hauptforschungsrichtung Neurobiologie und Hirnforschung.

Nach der Wende erfolgte eine Anpassung des anatomischen Unterrichtes an die Erfordernisse der Approbationsordnung für Ärzte.

Mit der Berufung von Herbert SCHWEGLER auf die Professur für Neuroanatomie im Jahr 1995 wurde die Grundlage für eine umfassende moderne neuroanatomische Forschung geschaffen.

Nach dem Tod von Dietmar WENDLER im Jahr 2000 übernahm Joachim FRÖHLICH die kommissarische Institutsleitung.

Zum 1. Oktober 2003 wurde Hermann-Josef ROTHKÖTTER zum Professor für Anatomie und zum Institutsdirektor berufen. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Schleimhautimmunologie, damit ist der zweite Forschungsschwerpunkt der Fakultät - die Immunologie - auch im Institut für Anatomie verankert.

 

Zur Geschichte der Anatomie in Magdeburg

Die vorstehend beschriebene "Anatomie" ist, wie Archivstudien ausweisen, bereits die fünfte in Magdeburg. Folgende frühere Einrichtungen sind bekannt:

Die älteste Anatomie bestand in den Jahren 1723-1724 unter der Leitung des später berühmten JOHANN THEODOR ELLER (1689-1760), der zuvor 3 Jahre anatomischer Prosektor an der damals für die Medizin bedeutendsten Universität, in Leiden (Schüler von BOERHAAVE) war, bevor er als Stadtarzt nach Bernburg ging.
Sein Landesherr, Fürst LEOPOLD von Anhalt-Dessau, war Gouverneur der Stadt Magdeburg und bemühte sich um die Gesundheit seiner Soldaten. Die Feldschere und Regimentschirurgen verpflichtete er zum Besuch anatomischer Vorlesungen. ELLER unterrichtete nur ein Jahr, weil ihn der Preußische König FRIEDRICH WILHELM I. 1724 nach Berlin beorderte und zu seinem Leibarzt, zum Direktor der Charité und zum 2. Professor der Berliner Anatomie (neben A. BUDDEUS) ernannte.

Zusammen mit GEORG ERNST STAHL (1659-1734) erarbeitete ELLER das preußische Medizinaledikt von 1725, das alle Ärzte zur erfolgreichen Teilnahme an einem Präparierkurs verpflichtete.
Wie lange die Anatomie unter ELLERS Nachfolger KESSLER bestand ist nicht bekannt.

Im Rahmen der 1777 gegründeten Provinzial-Hebammenanstalt wurden in Magdeburg anatomische Demonstrationen in einer sogenannten "Totenkammer", die auf dem Hof des Großen Armen-, Kranken- und Waisen-Hauses am Knochenbauerufer errichtet wurde, durchgeführt.

Schon damals bestanden Forderungen nach einer Medizinisch-Chirurgischen Lehranstalt für die Provinz Sachsen. Der Magdeburger Stadtarzt FRIEDRICH VOIGTEL, Schüler von PHILLIP MECKEL in Halle, forderte bereits 1797 eine Schule für Wundärzte und Krankenwärterinnen. Auch der berühmte Gehirnanatom JOHANN CHRISTIAN REIL (1759-1813) förderte derartige Ideen wegen des zunehmenden Ärztemangels.

Nach der für Preußen vernichtenden Niederlage von Jena und Auerstedt (1806)ging die Festung Magdeburg in die Hände der französischen Truppen über und wurde Hauptstadt des Elb-Departments des Königreiches Westfalen. Damit bestanden auch Voraussetzungen für die Schaffung eines aufgeschlossenen Medizinalkollegiums. Es dauerte aber noch 5 Jahre, ehe in der ehemaligen Hornbadestube am Knochenbauerufer, unmitterlbar benachbart dem St. Gertrauden-Hospital, ein Anatomisch-Chirurgisches Auditorium geschaffen wurde. Das war die dritte Magdeburger Anatomie.

Als Anatom wirkte der einer Magdeburger Hugenottenfamilie entstammende JEAN PIERRE FAUCHER, der unter JOHANN GOTTLIEB WALTER (1734-1818) in Berlin studiert hatte. 1814 wurde Magdeburg wieder preußisch, das westfälische Medizinalkollegium aufgelöst und ein neues für die wiedergeschaffene Provinz unter VOIGTEL gegründet. VOIGTEL erhebt erneut seine Forderung nach einer Lehranstalt.
Umstrukturierungen in den preußischen Ministerien bedingten aber langwierige Verhandlungen, die sich fast 10 Jahre hinzogen.

Erst 1827 erfolgte im damaligen Stadtkrankenhaus in der Marstallstraße die Gründung einer Medizinisch-Chirurgischen Lehranstalt (mit Präpariersaal und Sammlung). Der erste Lehrer war der praktische Arzt AUGUST FERDINAND BRÜGGEMANN. Er studierte unter A. RUDOLPHI (1771-1832) in Berlin und erwies sich als vielseitiger Anatom. Für Magdeburg erwarb er die anatomische Sammlung der ehemaligen Universität Erfurt. Unter Leitung von BRÜGGEMANN wurde 1839/1840 auch ein Lehrgebäude errichtet, in dem die Anatomie ihre Heimstatt fand.

Nachfolger BRÜGGEMANNS wurde der ehemaliger Kompaniechirurg CARL EDUARD BEULKE. Dieser engagierte sich in der Revolution von 1848/1849 und brachte damit die Lehranstalt aus der Sicht der Regierung in schiefes Licht. Die Unterrichtsstätte wurde geschlossen.

Letzte Änderung: 21.07.2015 - Ansprechpartner: Dr.med. Sandra Petzold
 
 
 
 
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